Marilyn 100!

„Marilyn 100“ im MAC Museum Art & Cars – Marilyn Monroe ganz nah: Eine außergewöhnliche Ausstellung zwischen Fotografie, Pop Art und amerikanischer Automobilgeschichte

Wer Marilyn Monroe bislang vor allem als glamouröse Hollywood-Ikone, als Filmstar im weißen Kleid oder als Pop-Art-Motiv kennt, erlebt in der Sonderausstellung „Marilyn 100“ im MAC Museum Art & Cars in Singen eine überraschend persönliche Seite der wohl berühmtesten Schauspielerin des 20. Jahrhunderts. Anlässlich des 100. Geburtstags von Marilyn Monroe widmet das MAC 2 der Hollywood-Ikone eine außergewöhnliche Ausstellung, die Fotografie, Film, Ton, Kunst und automobile Zeitgeschichte miteinander verbindet. Die Schau ist seit dem 22. Mai 2026 zu sehen und läuft noch bis Herbst 2026.

Wir haben die Ausstellung besucht und waren besonders davon beeindruckt, wie eindrucksvoll hier der Mythos Marilyn Monroe mit der tatsächlichen Person verbunden wird. „Marilyn 100“ ist keine reine Hommage an einen Weltstar, sondern eine Begegnung mit einer Frau, die hinter der öffentlichen Rolle deutlich mehr Facetten hatte, als es die bekannten Hollywoodbilder vermuten lassen.

Ein Jahrhundert Marilyn Monroe
Marilyn Monroe ist auch 100 Jahre nach ihrer Geburt eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Populärkultur. Ihr Gesicht, ihre Filme und ihre Fotografien sind weltweit bekannt. Gleichzeitig ist die Geschichte hinter dem Mythos bis heute von einer besonderen Faszination geprägt. Genau hier setzt „Marilyn 100“ an. Die Ausstellung zeigt nicht nur die öffentliche Marilyn, sondern richtet den Blick auf die Frau hinter der berühmten Inszenierung. Ein ganz besonderer Höhepunkt sind dabei die Fotografien des renommierten LIFE-Magazin-Fotografen Allan Grant. Sie entstanden im Juli 1962, nur wenige Wochen vor Marilyn Monroes Tod, während einer Fotosession in ihrem privaten Zuhause in Los Angeles. Es handelt sich um Aufnahmen, die über Jahrzehnte verborgen blieben.

Die letzten Bilder einer Ikone
Die Geschichte hinter diesen Fotografien gehört zu den berührendsten Teilen der Ausstellung. Am 3. August 1962 veröffentlichte das LIFE-Magazin einen Artikel über Marilyn Monroe, der später als ihr letztes Interview bekannt werden sollte. Nur zwei Tage später starb die Schauspielerin. Was damals veröffentlicht wurde, war allerdings nur ein kleiner Teil des vorhandenen Materials. Allan Grant hatte insgesamt 432 Fotografien aufgenommen. Hinzu kamen rund vier Stunden Tonaufnahmen eines ausführlichen Gesprächs zwischen Marilyn Monroe und dem LIFE-Redakteur Richard Meryman. Jahrzehntelang blieb dieses Material im Familienbesitz verborgen. Erst viele Jahre später wurden die Negative und Tonaufnahmen wieder zusammengeführt. Karin Grant, die das fotografische Archiv ihres verstorbenen Mannes bewahrt hatte, ermöglichte schließlich gemeinsam mit den Nachkommen von Richard Meryman, dass diese außergewöhnlichen Zeugnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnten. In der Ausstellung bekommen Besucherinnen und Besucher damit die Möglichkeit, Marilyn Monroe nicht nur anzusehen, sondern auch ihre Stimme zu hören. Und genau das verändert den Blick auf sie. Die Fotografien zeigen keine perfekt inszenierte Hollywoodfigur. Stattdessen begegnet uns eine Marilyn, die nachdenklich, humorvoll, verspielt, verletzlich und zugleich bemerkenswert selbstbewusst wirkt. Die private Umgebung trägt dazu bei, dass die Bilder eine besondere Nähe entwickeln. Man hat beim Betrachten beinahe das Gefühl, einen Moment mitzuerleben, in dem die berühmte Schauspielerin für kurze Zeit nicht für die Öffentlichkeit, sondern einfach für sich selbst da war.

Allan Grant: Der Fotograf hinter den außergewöhnlichen Aufnahmen
Allan Grant gehörte zu den bedeutenden Fotografen des LIFE-Magazins und war einer der großen Chronisten des klassischen Hollywoods. Im Laufe seiner Karriere fotografierte er zahlreiche berühmte Persönlichkeiten, darunter Audrey Hepburn, Elizabeth Taylor, Dean Martin, Kirk Douglas, Paul Newman und James Dean. Seine Marilyn-Aufnahmen sind deshalb auch aus fotografischer Sicht von besonderer Bedeutung. Was diese Serie jedoch so einzigartig macht, ist der Zeitpunkt ihrer Entstehung. Es handelt sich um die letzten offiziellen Porträtaufnahmen Marilyn Monroes. Gleichzeitig entstanden sie in ihrem eigenen Zuhause und damit in einer Umgebung, die wesentlich privater und persönlicher war als die üblichen Hollywood-Sets. Gerade diese Verbindung aus historischer Bedeutung und persönlicher Nähe macht die Fotografien zu einem der großen Ausstellungshöhepunkte.

„Marilyn 100“ im MAC Museum Art & Cars – Marilyn Monroe ganz nah: Eine außergewöhnliche Ausstellung zwischen Fotografie, Pop Art und amerikanischer Automobilgeschichte. Bild: Allan Grant

Marilyn und die Pop Art Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist Marilyn Monroe als Ikone der Kunstgeschichte. Kaum eine andere Persönlichkeit wurde von Künstlerinnen und Künstlern so häufig aufgegriffen, verfremdet und neu interpretiert wie Marilyn Monroe. Besonders die amerikanische Pop Art machte ihr Gesicht zu einem Symbol für Ruhm, Konsum, Medien und die Mechanismen der modernen Öffentlichkeit. Eine zentrale Rolle spielt dabei James Francis Gill, der bereits in den 1960er-Jahren zu den wichtigen Vertretern der amerikanischen Pop Art gehörte. Gill ließ sich unmittelbar von den Fotografien Allan Grants inspirieren. Sein berühmtes „Marilyn Triptych“ von 1962 befindet sich heute in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York und gehört zu seinen bekanntesten Arbeiten. Besonders spannend ist, dass Gill für die Ausstellung in Singen mehr als sechs Jahrzehnte später erneut zum Thema Marilyn zurückkehrte.

64 Jahre später: Ein neues Marilyn-Triptychon
Für das 100. Jubiläumsjahr Marilyn Monroes schuf James Francis Gill ein neues „Marilyn Triptych“. Damit entsteht innerhalb der Ausstellung ein faszinierender Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Auf der einen Seite steht das Werk von 1962, entstanden unter dem unmittelbaren Eindruck von Marilyn Monroes Tod. Auf der anderen Seite steht das mehr als 60 Jahre später entstandene neue Triptychon. Gill selbst beschreibt seine Auseinandersetzung mit Marilyn als eine Mischung aus Faszination und Demut. Besonders interessant ist sein veränderter Blick auf die Ikone. Während das erste Triptychon stärker von Drama, Leidenschaft und Schmerz geprägt ist, vermittelt das spätere Werk eine ruhigere, intimere Atmosphäre. Die hellen Fenster und das Grün des Gartens verweisen auf Marilyn Monroes Zuhause in Brentwood, ihren privaten Rückzugsort abseits des Hollywood-Rummels. Das Blau des neuen Werkes steht dabei für Ruhe und Reflexion. Diese Entwicklung macht deutlich, dass Marilyn Monroe auch für einen Künstler wie Gill nicht einfach ein feststehendes Motiv war. Mit dem zeitlichen Abstand verändert sich auch die Wahrnehmung der Person hinter dem Mythos. Zur Eröffnung der Ausstellung reiste James Francis Gill persönlich nach Singen. Dass der Künstler selbst bei der Vernissage anwesend war und seine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit Marilyn Monroe damit unmittelbar Teil der Ausstellung wurde, verleiht „Marilyn 100“ eine besondere Authentizität.

Auch Andy Warhol und weitere Künstler sind vertreten
Neben James Francis Gill widmet sich die Ausstellung weiteren künstlerischen Interpretationen Marilyn Monroes. Auch Arbeiten bedeutender Pop-Art-Künstler wie Andy Warhol zeigen, wie nachhaltig Marilyns Bildsprache die Kunstgeschichte geprägt hat. Gerade die Gegenüberstellung verschiedener künstlerischer Positionen macht deutlich, wie unterschiedlich dieselbe Persönlichkeit interpretiert werden kann: als glamouröses Starbild, als Symbol der Popkultur, als Projektionsfläche der Medien oder als verletzlicher Mensch hinter der öffentlichen Rolle. Damit geht die Ausstellung weit über eine klassische Prominentenschau hinaus.

Amerikanische Automobile als perfekte Ergänzung
Was „Marilyn 100“ im MAC Museum Art & Cars zusätzlich besonders macht, ist die Verbindung von Kunst und amerikanischer Automobilgeschichte. Passend zur Epoche werden zahlreiche ikonische US-Fahrzeuge präsentiert. Große amerikanische Straßenkreuzer treffen auf klassische Sportwagen und weitere automobile Besonderheiten. Zu den ausgestellten Fahrzeugen gehören unter anderem ein Pontiac Bonneville Tri Power Convertible, ein Ford Galaxy Skyline Streetrod, eine Chevrolet Corvette C1 und ein Pontiac GTO. Ergänzt wird die Präsentation durch weitere Renn- und Sportwagen, darunter Fahrzeuge aus der Vorkriegszeit. Die Automobile sind dabei keineswegs nur dekoratives Beiwerk. Sie schaffen gemeinsam mit den Fotografien und Kunstwerken ein authentisches Zeitgefühl und machen die amerikanische Kulturgeschichte der 1950er- und 1960er-Jahre unmittelbar erlebbar. Zwischen glänzendem Chrom, eleganten Karosserien, ikonischen Marilyn-Porträts und historischen Fotografien entsteht eine Atmosphäre, die Besucherinnen und Besucher direkt in die Welt des damaligen Amerikas versetzt.

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Unser persönlicher Eindruck vom Ausstellungsbesuch
Unser Besuch im MAC 2 hat vor allem eines gezeigt: „Marilyn 100“ ist eine Ausstellung, für die man sich Zeit nehmen sollte. Natürlich ziehen die bekannten Bilder Marilyn Monroes zunächst alle Blicke auf sich. Doch je länger man sich mit den Fotografien, den Tonaufnahmen und den Hintergrundgeschichten beschäftigt, desto stärker tritt die berühmte Hollywoodfigur in den Hintergrund und die Persönlichkeit Marilyns in den Vordergrund. Gerade die bislang weitgehend unbekannten Aufnahmen von Allan Grant haben uns besonders angesprochen. Sie wirken unmittelbar und erstaunlich modern. Marilyn erscheint darauf nicht als unerreichbare Filmikone, sondern als Frau in ihrem Zuhause, die nachdenkt, lacht, spricht und offensichtlich ganz bei sich sein kann. Das macht die Ausstellung emotional, ohne dabei aufdringlich zu werden.

Sehr gelungen fanden wir außerdem die Verbindung der verschiedenen Medien. Fotografie, Audio, Video, Kunst und Automobile erzählen jeweils einen eigenen Teil der Geschichte und ergänzen sich gleichzeitig zu einem Gesamtbild. Auch die Werke von James Francis Gill eröffnen eine zusätzliche Perspektive. Man sieht Marilyn dadurch nicht nur als historische Persönlichkeit, sondern auch als Motiv, das Künstler über Jahrzehnte beschäftigt und immer wieder zu neuen Interpretationen herausgefordert hat.

Ein Ausflug, der sich lohnt
Wer sich für Marilyn Monroe, klassische Hollywoodgeschichte, Fotografie, Pop Art oder amerikanische Automobile interessiert, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen. Aber auch für alle, die bislang keinen besonderen Zugang zu Marilyn Monroe hatten, bietet „Marilyn 100“ einen spannenden Einstieg. Denn die Ausstellung erzählt nicht ausschließlich die Geschichte eines Stars. Sie erzählt auch von Fotografie und Journalismus, vom Umgang mit Prominenz, von der Macht der Medien und von der Frage, wie aus einem Menschen eine Ikone wird. Besonders eindrucksvoll ist dabei die Tatsache, dass die Ausstellung Material zugänglich macht, das über sechs Jahrzehnte verborgen war. Marilyn wird hier nicht nur gesehen, sondern auch gehört. Und vielleicht ist genau das die größte Stärke dieser Ausstellung: Sie versucht nicht, den Mythos Marilyn Monroe einfach noch einmal zu erzählen. Sie gibt der Frau hinter diesem Mythos Raum.

„Marilyn 100“ ist deshalb nicht nur eine Ausstellung über Marilyn Monroe. Sie ist eine Einladung, hinter das berühmte Gesicht zu schauen und die Frau dahinter neu zu entdecken. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich diese besondere Ausstellung im MAC 2 in Singen unbedingt ansehen.

MAC Museum Art & Cars – MAC 2
Sonderausstellung „Marilyn 100 – Leben und Mythos der Hollywood-Ikone“
📅 22. Mai 2026 bis Herbst 2026

Ein Ausstellungstipp für alle, die außergewöhnliche Fotografie, Pop Art, klassische Automobile und ein Stück Hollywoodgeschichte miteinander verbinden möchten.

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