50 Jahre Roncalli!

50 Jahre Roncalli: Ein Abend voller Staunen, Lachen und großer Circuskunst

Ein lauer Sommerabend im Blühenden Barock, das Ludwigsburger Residenzschloss als märchenhafte Kulisse und davor der traditionsreiche Zeltpalast des Circus-Theater Roncalli: Besser hätte der Rahmen für die festliche Premiere der Jubiläumstournee „50 Jahre Circus-Theater Roncalli“ kaum sein können. Zum fünften Mal ist Roncalli in Ludwigsburg zu Gast, diesmal mit einem Programm, das Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet. Den Auftakt machte Circus-Direktor Bernhard Paul mit einer persönlichen Ansprache. Anschließend richtete der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir einige Worte an das Publikum. Danach hieß es: Manege frei!

Und dann ging es Schlag auf Schlag. Was folgte, waren zwei Mal eine gute Stunde beste Unterhaltung, unterbrochen von einer Pause, in der die Zuschauer kaum Zeit hatten, das gerade Gesehene zu verarbeiten. Roncalli präsentierte einen Circus, der ganz ohne Tiere auskommt und stattdessen auf das setzt, was ihn seit Jahrzehnten auszeichnet: große Artistik, Poesie, Musik, Humor und eine gehörige Portion Fantasie. Besonders viel Raum für Komik bekam das Trio aus Professor Wacko, Kevinski und Canutito Jr. Professor Wacko, der „komische Gondoliere“, führte temperamentvoll und mit sichtlichem Vergnügen durch das Geschehen. Gemeinsam mit dem niederländischen Mime Kevinski und Canutito Jr. entwickelte sich daraus ein wunderbar verspieltes Zusammenspiel. Kevinski erzählt mit Körpersprache, Mimik und tänzerischer Präzision ganze Geschichten, ohne dafür viele Worte zu benötigen. Canutito Jr., der bereits in dritter Generation als Clown auftritt, ergänzt ihn mit kindlicher Hartnäckigkeit und seinem exzentrischen Charme. Die drei sorgten immer wieder für überraschende Momente und bezogen dabei geschickt das Publikum ein.

Auch Housch-ma-Housch und der dienstälteste Roncalli-Weißclown Gensi setzten eigene komödiantische Akzente. Housch-ma-Housch entführt mit seinen skurrilen Geschichten in eine ganz eigene Welt, während Gensi seiner Rolle als Weißclown eine besondere poetische Note verleiht. Bei Roncalli darf eben gelacht werden, ohne dass die Poesie dabei auf der Strecke bleibt. Dann wieder höchste Konzentration und artistische Präzision: Lili Paul-Roncalli kehrte zum Jubiläum in die Manege zurück und verbindet Kontorsion, Tanz und Luftakrobatik zu einer faszinierenden Darbietung. Das Demian Gritsko Team lässt bei seiner Kombination aus Russischer Schaukel und Reck den Atem stocken. Die vier Athleten scheinen die Schwerkraft zeitweise außer Kraft zu setzen. Nicht weniger beeindruckend ist das Duo Vitalys mit seiner Hand-auf-Hand-Akrobatik. Joel Yaicate Saavedra und Pablo Nonato Panduro bauen ihre Körper scheinbar mühelos zu immer neuen Figuren auf. Das Duo Rêve setzt mit drei anmutigen Artistinnen einen Kontrapunkt: Ihre Partnerakrobatik wirkt fast schwerelos und besticht durch Eleganz und fließende Bewegungen.

Für staunende Augen sorgen Alexandra Saabel & Company mit ihren Illusionen. Nebel, märchenhafte Figuren und überraschende Verwandlungen erzeugen eine kleine Welt voller Magie. Eine ganz andere Art von Staunen beschert Pavel Valla Bertini. Auf einem Einrad nach dem anderen zeigt er eine technisch brillante Nummer, bei der allein das Aufeinanderstapeln der Räder schon für offene Münder sorgt. Spektakulär geht es mit Venice Carnival weiter. Am Trampolin mit Barren wird gesprungen, geflogen und geturnt, als gäbe es keine Grenzen. Auch der seltene Zopfhang des Duo Hair Suspension gehört zu den Nummern, die man nicht so schnell vergisst: Allein an den Haaren schweben die beiden Artistinnen über der Manege und zeigen eine außergewöhnliche Mischung aus Kraft, Körperbeherrschung und Eleganz. Mit Justin Philadelphia und Geraldine Philadelphia präsentiert sich zugleich die nächste Generation. Justin wirbelt am Flying Pole durch die Luft, Geraldine verbindet Tanz und Ringjonglage mit bis zu sechs Hula-Hoop-Reifen. Beide zeigen eindrucksvoll, dass die Roncalli-Tradition längst in die nächste Generation weitergegeben wird. Dazwischen schafft das Roncalli Ballett mit Alice, Brady, Jesse, Katy, Scarlett und Ashley immer wieder fantasievolle Übergänge. Überhaupt sind die Kostüme ein eigener Höhepunkt des Abends. Ob Rokoko, funkelnde Spiegelkostüme oder märchenhafte Fantasiewelten: Die phantasievollen Gewänder sind bis ins kleinste Detail gestaltet und machen die Manege zu einem bewegten Gesamtkunstwerk.

Finale bei der Premiere

Einen wesentlichen Anteil daran hat auch das Roncalli Royal Orchestra unter der Leitung von Georg Pommer. Musik und Circus verschmelzen zu einer Einheit: Trommelwirbel für die großen Sprünge, ein Tusch für die Clowns, sanfte Klänge für die poetischen Momente. Die Musik trägt die Dramaturgie und macht aus einzelnen Darbietungen eine zusammenhängende Show. Während draußen am Himmel die Sonnenfinsternis lockte, saßen die Zuschauer mit gebanntem Blick auf die Manege. Dort gab es schließlich genug Spektakuläres zu sehen. Roncalli braucht keine Tiere, um Spannung und Faszination zu erzeugen. Menschen, Musik, Licht, Kostüme und eine gehörige Portion Fantasie reichen vollkommen aus.

50 Jahre Roncalli: Ein Circus schreibt Geschichte
Dass Roncalli heute einen solchen Stellenwert besitzt, ist eng mit Bernhard Paul verbunden. 1975 gab der Art Director seinen sicheren Job beim Nachrichtenmagazin „Profil“ auf und machte seinen Jugendtraum zum Beruf. Ein alter Circus-Wohnwagen bildete den bescheidenen Anfang.
Am 18. Mai 1976 feierte Roncalli mit „Die größte Poesie des Universums“ seine Welturaufführung. Nach schwierigen Anfangsjahren und einem Neustart in Köln gelang 1980 mit „Die Reise zum Regenbogen“ der große Durchbruch. Bernhard Paul entwickelte einen Circus, der sich bewusst von den traditionellen Vorstellungen seiner Zeit absetzte: weniger Nummernprogramm, mehr Gesamtkunstwerk. Poesie, Theater, Musik, historische Wagen, aufwendige Kostüme und große artistische Leistungen wurden zu den Markenzeichen Roncallis. Heute, 50 Jahre nach der Gründung, ist daraus ein international bekanntes Live-Entertainment-Unternehmen geworden. Mehr als 45 Millionen Menschen hat Roncalli seit 1976 zum Staunen gebracht. Und während Bernhard Paul auf ein halbes Jahrhundert Circusgeschichte zurückblickt, steht mit Vivian, Adrian und Lili Paul-Roncalli längst die nächste Generation bereit.

Die Premiere in Ludwigsburg zeigte eindrucksvoll, dass Roncalli dabei nicht in der Vergangenheit stehen bleibt. Das Jubiläumsprogramm ist kein nostalgisches „Best of“, sondern tatsächlich ein Blick nach vorn. Die Liebe zur Nostalgie bleibt, doch sie verbindet sich mit zeitgemäßer Artistik und neuen Ideen.

Am Ende konnte sich das Publikum kaum noch halten: Tosender Applaus brandete durch das Zelt, die Künstlerinnen und Künstler wurden gefeiert und ein großer Konfetti-Regen setzte den glitzernden Schlusspunkt unter einen rundum gelungenen Premierenabend. Roncalli ist 50 Jahre jung und Ludwigsburg darf dieses Jubiläum vier Wochen lang mitfeiern. Vom 12. August bis zum 6. September 2026 gastiert das Circus-Theater Roncalli im Blühenden Barock. Wer diesen Premierenabend erlebt hat, weiß: Diese vier Wochen sind viel zu schade, um sie zu verpassen.

Manege frei für Roncalli – und auf viele weitere magische Abende vor dem Ludwigsburger Residenzschloss!
MK Schechler

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JUBILÄUMSTOURNEE „50 JAHRE CIRCUS-THEATER RONCALLI“
Vom 12. August bis 06. September 2026
50 Jahre Circus-Theater Roncalli – 5 Jahre Ludwigsburg

Weitere Informationen zum Circus-Theater Roncalli finden Sie unter: www.roncalli.de

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