House of Banksy in Stuttgart: Das Phantom der Street-Art ist zurück
Mehr als 150 Motive auf rund 1.500 Quadratmetern, Graffitis, Skulpturen, Fotografien und Installationen: Am Freitag, 11. September, öffnet im Stuttgarter Kronprinzbau die Ausstellung „House of Banksy – An Unauthorized Exhibition“. Nach dem Gastspiel von „The Mystery of Banksy“ im Jahr 2023 ist es bereits die zweite große Banksy-Ausstellung in Stuttgart. Unsere Redaktion konnte sich vor der Eröffnung gemeinsam mit Kuratorin Virginia Jean einen ersten Eindruck verschaffen.
Wer durch die Ausstellung im Kronprinzbau geht, begegnet einem Künstler, den praktisch jeder kennt und den dennoch kaum jemand erkennen würde, stünde er plötzlich neben einem. Banksys Ratten, das Mädchen mit dem herzförmigen Ballon, der Blumenwerfer und seine immer wieder überraschenden Kommentare zu Krieg, Kapitalismus, Überwachung und gesellschaftlichen Konflikten sind längst Teil der internationalen Popkultur geworden.
Ab Freitag sind viele dieser Motive mitten in Stuttgart versammelt. „House of Banksy – An Unauthorized Exhibition“ erstreckt sich über rund 1.500 Quadratmeter und zeigt mehr als 150 Arbeiten beziehungsweise Reproduktionen. Zu sehen sind Graffitis, Fotografien, Skulpturen, Videoinstallationen und Drucke auf Leinwand, Papier, Holz, Aluminium, Gips, Beton und Backstein.
Dabei sollte man wissen, was diese Ausstellung ist und was sie nicht ist: Banksy selbst hat sie nicht autorisiert. Ein großer Teil der gezeigten Arbeiten sind detailgetreue Reproduktionen, die von Graffiti-Künstlern für das Ausstellungsformat angefertigt wurden. Das ist nicht nur eine organisatorische Entscheidung. Viele der ursprünglichen Arbeiten Banksys existieren an ihren ursprünglichen Orten nicht mehr. Nach Angaben der Ausstellungsmacher sind rund 80 Prozent der hier präsentierten Graffiti- und Werkmotive im Original kaum oder überhaupt nicht mehr öffentlich zugänglich. Sie wurden übermalt, entfernt, zerstört oder sogar aus Wänden herausgetrennt.

House of Banksy in Stuttgart: Das Phantom der Street-Art ist zurück
Eine Ausstellung über Bilder und ihre Botschaften
Beim Vorabbesuch mit Kuratorin Virginia Jean wird schnell deutlich, dass die Schau nicht allein eine möglichst große Zahl bekannter Banksy-Motive versammeln will. Sie versucht vielmehr, die Bilder in ihren politischen und gesellschaftlichen Zusammenhang einzuordnen. Krieg und Flucht spielen dabei ebenso eine Rolle wie Fremdenhass, Polizeigewalt, Überwachung, Klimawandel, Gewalt gegen Frauen und Kapitalismus. Gerade diese Verbindung aus einem auf den ersten Blick leicht verständlichen Bild und einer zweiten, häufig bitteren Ebene ist ein wesentlicher Teil von Banksys Erfolgsrezept. Die Ausstellung greift auch jüngere Arbeiten auf. Dazu gehören Motive aus der Ukraine, wo Banksy 2022 mehrere Werke auf und an kriegsbeschädigten Gebäuden hinterließ, sowie die ungewöhnliche Serie von Tiermotiven, die im August 2024 innerhalb weniger Tage in London auftauchte. Auch eine Banksy zugeschriebene und von ihm bestätigte Arbeit vom April 2026 wird thematisiert. Wer tiefer einsteigen möchte, kann eine umfangreiche Multimedia-Führung nutzen. Sie ist im Eintrittspreis enthalten und lässt sich direkt auf dem eigenen Smartphone abrufen. Die Ausstellungstexte stehen auf Deutsch und Englisch zur Verfügung.
Wer ist Banksy?
Die kurze Antwort lautet auch 2026: Wir wissen es nicht. Banksy stammt vermutlich aus dem Umfeld der Street-Art-Szene im englischen Bristol. Seit Jahren gibt es Spekulationen über seine tatsächliche Identität. Besonders häufig fällt dabei der Name Robin Gunningham. Eine zweifelsfreie öffentliche Bestätigung gibt es jedoch nicht. Das Rätsel um seine Person gehört inzwischen fast so sehr zum Phänomen Banksy wie die Schablonentechnik seiner Bilder. Das Interessante daran: Während der Mensch hinter dem Namen weitgehend unsichtbar bleibt, sind seine Bilder weltweit bekannt. Banksy hat daraus geradezu ein Gegenmodell zum klassischen Starkünstler entwickelt. Kein Atelierporträt, kaum öffentliche Auftritte, keine Vernissagen mit dem Künstler im Mittelpunkt. Neue Werke tauchen oft überraschend im öffentlichen Raum auf und werden anschließend über Banksys eigene Kanäle als authentisch bestätigt. Diese Anonymität funktioniert seit Jahrzehnten. Und sie erzeugt einen bemerkenswerten Widerspruch: Ausgerechnet ein Künstler, der Konsum, Kapitalismus und die Mechanismen des Kunstbetriebs immer wieder verspottet, ist selbst zu einer der wertvollsten Marken des internationalen Kunstmarktes geworden.
Millionen für einen Künstler, der den Kunstmarkt verspottet
Wie groß dieser Widerspruch ist, zeigen die Auktionsergebnisse. Zum wohl berühmtesten Banksy-Moment in einem Auktionshaus kam es im Oktober 2018 bei Sotheby’s in London. Gerade war „Girl with Balloon“ für gut eine Million Pfund zugeschlagen worden, da setzte sich ein im Rahmen versteckter Schredder in Bewegung. Das Bild lief vor den Augen des Publikums durch den Mechanismus und wurde teilweise in Streifen geschnitten. Die Aktion zerstörte den Marktwert des Werkes keineswegs. Im Gegenteil. Das nun „Love is in the Bin“ genannte Werk kam im Oktober 2021 erneut bei Sotheby’s unter den Hammer. Nach einem rund zehnminütigen Bietergefecht fiel der Zuschlag bei 18,582 Millionen Pfund. Damit stellte Banksy einen neuen persönlichen Auktionsrekord auf.
Nur wenige Monate zuvor hatte ein anderes Werk einen Rekord erzielt. „Game Changer“, Banksys während der Corona-Pandemie entstandene Hommage an das Krankenhauspersonal, wurde im März 2021 bei Christie’s für 16,758 Millionen Pfund verkauft. Der Erlös sollte Gesundheitsorganisationen und Einrichtungen des britischen NHS zugutekommen. Auch zuvor waren die Preise bereits kräftig gestiegen. „Devolved Parliament“, Banksys Gemälde eines von Schimpansen bevölkerten britischen Unterhauses, erzielte 2019 laut den Ausstellungsunterlagen 9,9 Millionen Pfund. „Show Me the Monet“, seine mit Einkaufswagen und Müll verfremdete Version von Monets Seerosenteich, kam 2020 auf 7,6 Millionen Pfund. Damit ist Banksy längst genau dort angekommen, was viele seiner Arbeiten kritisch kommentieren: mitten im millionenschweren Kunstmarkt.
Vielleicht gehört gerade dieser Widerspruch inzwischen untrennbar zu seinem Werk. Ein Bild wird illegal auf eine Wand gesprüht, anschließend geschützt, herausgeschnitten oder entfernt und kann irgendwann für Millionen gehandelt werden. Ein Künstler verspottet den Kunstmarkt und wird zu einem seiner Stars. Und ein Werk, das sich während einer Auktion selbst zerstören soll, wird dadurch noch wertvoller.
Banksy zum zweiten Mal in Stuttgart
Für Stuttgart ist es bereits die zweite große Begegnung mit diesem Phänomen. 2023 kamen nach Angaben des Veranstalters mehr als 80.000 Besucher zu „The Mystery of Banksy – A Genius Mind“ in die Königsbau Passagen. Die beiden Ausstellungsformate „The Mystery of Banksy“ und „House of Banksy“ haben nach Veranstalterangaben inzwischen zusammen mehr als vier Millionen Besucher weltweit erreicht. Diesmal ist der Kronprinzbau in der Kronprinzstraße 8 Schauplatz. Die Ausstellung öffnet am Freitag, 11. September 2026, und ist anschließend dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Veranstalter bezeichnet sie ausdrücklich als Pop-up-Ausstellung, ein konkretes Schlussdatum wird derzeit nicht genannt.
Am Ende bleibt damit eine Ausstellung über einen Künstler, der selbst nicht da ist und doch in jedem Raum präsent scheint. Wer Banksy tatsächlich ist, beantwortet auch „House of Banksy“ nicht. Dafür zeigt die Schau ziemlich eindrücklich, warum diese Frage nach all den Jahren überhaupt noch so viele Menschen beschäftigt.
Hinweis: Unsere Redaktion hatte vor der Eröffnung Gelegenheit, die Ausstellung gemeinsam mit Kuratorin Virginia Jean zu besuchen. Die Fotos zu diesem Artikel entstanden in der Stuttgarter Ausstellung.
MK Schechler
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House of Banksy in Stuttgart
📍 Kronprinzbau, Stuttgart
📅 ab 11. September 2026
🕚 Di–So & Feiertage, 11–19 Uhr
www.house-of-banksy.com
PRODUZENT & VERANSTALTER – COFO Entertainment, Passau
CO-PRODUZENT – Artful Events, Neuss
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