Göttin in Schwarz: Tarja krönt Stuttgart mit einem epischen Best-of-Abend
Lange war ich nicht mehr im LKA Longhorn. Aber wenn eine nordische Gottheit von ihrem Thron steigt, dann gibt es keine Ausreden. Nach zwei Support-Acts – „The Skys“ aus Litauen und „Rok Ali and The Addiction“ aus Nashville – liegt diese besondere Spannung im Raum. Man spürt: Hier geht es gleich nicht einfach nur um ein Konzert. Hier geht es um ein Kapitel Musikgeschichte. Dann wird es dunkel. Die ersten Töne setzen ein. Und als Tarja die Treppe zur Bühne hinabschwebt, bricht im Saal frenetischer Applaus los. Ganz in Schwarz. Porzellanhelle Haut. Roter Lippenstift. Und dieser Blick – kühl, stechend, königlich. Stuttgart liegt ihr zu Füßen.
Ein Auftakt mit Wucht
Mit „Demons in You“ eröffnet sie den Abend kraftvoll. Der Song, ursprünglich vom 2019er Album In the Raw, zeigt sofort, worum es bei Tarja immer ging: Kontraste. Klassische Stimme trifft auf harte Gitarren, Verletzlichkeit auf Kontrolle. Das Publikum ist ab der ersten Minute da. „Undertaker“ legt nach – düster, treibend, mit diesem schweren Groove, der live noch intensiver wirkt als auf Platte. Man merkt: Diese Band ist perfekt eingespielt. Jeder Einsatz sitzt. Mit „500 Letters“ kommt einer der emotionalen Höhepunkte des ersten Sets. Der Song stammt aus Colours in the Dark (2013) und gilt vielen Fans als eine Art persönlicher Befreiungsschlag nach Tarjas turbulenter Trennung von Nightwish im Jahr 2005. Live bekommt er eine neue Tiefe. Man hört keine Abrechnung mehr – man hört Selbstbewusstsein.

Tarja entfesselt Stuttgart: Ein Best-of-Abend zwischen Gänsehaut und Ekstase
Rückblick und Weiterentwicklung
„Anteroom of Death“ und „Victim of Ritual“ führen zurück zu What Lies Beneath (2010). Gerade „Victim of Ritual“ funktioniert live wie ein Manifest. Das Publikum singt die Refrains lautstark mit, die Arme gehen nach oben, und Tarja dirigiert mit einer kleinen Handbewegung einen ganzen Saal. Ein besonderer Moment folgt mit „Into the Sun“. Tarja allein am Keyboard. Kein Pathos, keine große Inszenierung. Nur sie, das Instrument und diese außergewöhnliche Stimme. In solchen Augenblicken versteht man, warum sie als eine der prägendsten Stimmen des Symphonic Metal gilt. Sie braucht kein Feuerwerk. Ihre Stimme reicht. „Shadow Play“ und „Silent Masquerade“ zeigen noch einmal ihre Bandbreite – von dramatisch bis fast hymnisch. Man hört die Entwicklung: weg vom reinen Opernklang, hin zu einer vielseitigen Rock-Frontfrau, die ihre Klassik-Wurzeln bewusst einsetzt, aber nie zur bloßen Show verkommen lässt.
Nightwish-Magie lebt weiter
Als die ersten Synthesizer-Klänge von „Planet Hell“ einsetzen, geht ein Raunen durch die Halle. Ein Song aus der frühen Nightwish-Ära, damals noch mit Tarja am Mikro. Hier schließt sich ein Kreis. Es ist kein nostalgischer Blick zurück, sondern eine selbstbewusste Rückeroberung. „I Walk Alone“ darf natürlich nicht fehlen. Ihre erste Solo-Single von 2007, erschienen auf My Winter Storm. Damals der klare Beweis, dass sie auch ohne Nightwish bestehen kann. Heute ist der Song eine Hymne. Das Publikum singt jede Zeile.
Zugaben mit Gänsehautgarantie
Natürlich kommt sie zurück. „Dead Promises“ bringt noch einmal moderne Härte auf die Bühne. Dann folgt mit „Wish I Had an Angel“ der vielleicht ekstatischste Moment des Abends. Ein weiterer Nightwish-Klassiker – und das LKA Longhorn verwandelt sich in einen einzigen Chor. Zum Abschluss „Until My Last Breath“. Dramatisch, episch, groß. Ein perfektes Finale für eine Tour, die nicht weniger sein will als ein Vermächtnis.
„Living The Dream – The Hits Tour 2026“ ist mehr als eine Best-of-Show. Es ist eine Standortbestimmung. Tarja feiert ihre größten Songs, aber sie ruht sich nicht auf ihnen aus. Man spürt, dass hier jemand auf eine neue kreative Phase zusteuert. Der lokale Veranstalter Michael Russ GmbH hat Stuttgart einen besonderen Abend beschert. Volles Haus, perfekte Stimmung, ein Publikum zwischen Metalheads der ersten Stunde und jüngeren Fans, die Tarja erst solo entdeckt haben.
“Ein Abend. Eine Stimme. Ein Vermächtnis.” wie angekündigt, und Stuttgart durfte noch einmal Teil davon sein.
MK Schechler
Tarja
Living The Dream – The Hits Tour 2026
Freitag, 13.02.2026 | LKA Longhorn, Stuttgart
Lokaler Veranstalter:
Michael Russ GmbH
www.michaelrussgmbh.de
Setlist des Abends
1. Demons in You
2. Undertaker
3. 500 Letters
4. Anteroom of Death
5. Victim of Ritual
6. Into the Sun (Tarja solo on keyboard)
7. Shadow Play
8. Silent Masquerade
9. Planet Hell (Nightwish song)
10. I Walk Alone
Zugaben:
Dead Promises
Wish I Had an Angel (Nightwish song)
Until My Last Breath
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