Im Rhythmus der Legenden: 14.–17. Januar 2026
Slow Travel: Drei Tage im Herzen des Wallis
Der Winter im Wallis hat seinen eigenen Takt. Er ist leiser, langsamer, manchmal geheimnisvoll. Wer sich darauf einlässt, entdeckt nicht nur verschneite Berglandschaften, sondern Geschichten, die seit Jahrhunderten weitergegeben werden. Unsere Reise führt ins Val d’Hérens und weiter nach Blatten-Belalp. Es ist eine Reise zu Masken, Mythen und Menschen, die ihre Traditionen leben.
14. Januar – Ankommen, Durchatmen und Raclette
Am späten Nachmittag erreichen wir Les Haudères, ein kleines Dorf am Ende des Val d’Hérens. Die Anreise erfolgt individuell, doch das Gefühl ist bei allen gleich: Kaum ausgestiegen, wird es ruhiger. Die Berge schließen das Tal ein, die Dämmerung legt sich über die Dächer. Im familiengeführten Hotel Les Mélèzes wartet ein herzlicher Empfang. Beim gemeinsamen Aperitif lernen wir uns kennen und stimmen uns auf die kommenden Tage ein. Es ist kein lautes Willkommen, sondern ein entspanntes Ankommen. Genau das passt zum Gedanken des Slow Travel. Das Abendessen in der Auberge Au Vieux Mazot ist ein kulinarisches Ritual: traditionelles Holz-Raclette. Der Käse schmilzt langsam am offenen Feuer, wird mit Geduld und Respekt behandelt und vom Laib geschabt. Das wird nur noch in wenigen Schweizer Restaurants so serviert, wie die herzliche und überregional bekannte Wirtin Raymonde uns erklärt. Dazu gibt es Kartoffeln, Essiggurken und Gespräche, die ebenso langsam fließen. Irgendwann verlassen wir das authentische Chalet, das vor 75 Jahren aus Lärchen- und Zirbenholz hergestellt und kürzlich renoviert wurde. Danach bleibt Zeit, den Tag ausklingen zu lassen. Draußen knirscht der Schnee, drinnen ist es warm. Die erste Nacht im Wallis fühlt sich an wie ein sanfter Übergang in eine andere Zeit.

Angekommen im Val d’Hérens
15. Januar – Masken und Holz
Nach dem Frühstück beginnt unsere geführte Tour durch Evolène, eines der bestbewahrten Dörfer der Schweiz. Gemeinsam mit unserem Führer Eric tauchen wir in die Geschichte des Ortes ein. Die dunklen Holzhäuser, die engen Gassen und die massiven Steinplatten auf den Dächern erzählen von einem Leben im Einklang mit der Natur und ihren Herausforderungen. Ein besonderer Höhepunkt kann der Besuch bei einem Maskenschnitzer des Evolèner Karnevals sein. In seiner Werkstatt entstehen aus Holz jene ausdrucksstarken Masken, die während der Fasnacht eine zentrale Rolle spielen. Jede Maske ist ein Unikat, oft grotesk, manchmal furchteinflößend. Sie stehen für Figuren, Legenden und menschliche Eigenschaften. Hier wird Tradition nicht erklärt, sondern gelebt wie uns auch beim Besuch des heimischen Museums eindrucksvoll gezeigt wird. Mittags essen wir in der Taverne Evolenarde, einem Ort, an dem hochwertige regionale Küche serviert wird. Danach besuchen wir die Anako Lodge, ein Projekt, das Entschleunigung bewusst in den Mittelpunkt stellt. Architekt Olivier Cheseaux nimmt sich die Zeit und zeigt uns mit Stolz das Konzept seiner Anlage. Alte Walliser Gebäude wie Raccards, Scheunen und Speicher wurden behutsam und individuell abgestimmt mit dem bestehenden Gebäudeteilen restauriert. Sie zeigen, wie eng Architektur, Landschaft und Kultur miteinander verbunden sind. Am Nachmittag unternehmen wir eine letzte Winterwanderung rund um Les Haudères und Evolène. Es ist Zeit zum Schauen und Staunen, auch beim Blick in historisch eingerichtete Gebäude. Die traditionellen Chalets, der Rauch aus den Kaminen, die klare Luft. Alles wirkt entschleunigt. Ein perfekter Abschluss für einen Tag voller Eindrücke.

Schneeschuhwanderung
16. Januar – Die Hexen von Belalp
Nach dem Frühstück heißt es Abschied nehmen vom Val d’Hérens. Mit dem Postbus und Zug reisen wir weiter nach Naters und schließlich nach Blatten. Dort werden wir von Céline empfangen, erhalten unsere Schneeschuhausrüstung für das nächste Event und Bergbahn-Tickets für die kommenden Tage. Mit der Seilbahn geht es hinauf nach Belalp. Schon die Fahrt eröffnet neue Perspektiven auf die imposante Bergkulisse rundum. Oben angekommen, beginnt unser Event mit Mittagessen in ungewöhnlicher Form: als Teil einer Schneeschuhwanderung. Wanderführer Georges begrüßt uns und erzählt von der Legende der Belalp-Hexen. Sie ist eng verbunden mit dem berühmten Hexenabfahrtsrennen, das am nächsten Tag zum 44. Mal stattfindet und Mythos, Sport und Volksfest vereint. Die Schneeschuhwanderung dauert gut drei Stunden. Sie führt durch verschneite Landschaften, vorbei an stillen Waldstücken und offenen Hängen, wir sehen auch mal eine Gämse, Fußspuren von Hase und Fuchs. Unterwegs genießen wir Walliser Spezialitäten, die in dieser Umgebung besonders gut schmecken und werfen am Aletschbord einen Blick auf den Ausläufer des Aletschgletschers, die Gletscherzunge. Die Geschichte der Hexen begleitet uns dabei wie ein roter Faden. Am späten Nachmittag fahren wir zurück nach Blatten und weiter hinunter nach Naters. Im Adaastra Boutique Hotel beziehen wir unsere Zimmer. Das Abendessen im Restaurant Palazzo Patatüt ist ein klassisches Drei-Gänge-Menü, das Personal zuvorkommend und angenehm ruhig. Danach kehrt schnell Müdigkeit ein. Der Tag war lang, aber erneut reich an Eindrücken.

Teilnehmende des Hexenrennens
17. Januar – Hexen, Rennen und Abschied
Der letzte Tag beginnt früh. Nach dem Check-out fahren wir zurück nach Blatten, wo uns Albrecht empfängt und die Gruppe begleitet. Das Gepäck wird verstaut, dann geht es erneut hinauf nach Belalp. Bereits am Vorabend wurde hier ein Festzelt zum größten Fondue-Chalet im Wallis umgestaltet und die „Witches Night“ heftig gefeiert, wie man uns berichtetet. Mit Gondel und Sessellift erreichen wir den Bereich Schönbiel, wo das Hexen-Skirennen stattfindet. Zuschauer stehen am Pistenrand, die Hexengruppen fahren bereits in ihren Kostümen zum Start. Auch das Ziel des Vertical Race befindet sich hier. Die Atmosphäre ist lebendig, aber nie hektisch. Tradition und Sport gehen Hand in Hand. Mittags treffen wir uns im Ricco’s Igloo. Beim Apéro gibt es Wein, Canapés, Suppe sowie Schinken und Kartoffelsalat. Man kommt ins Gespräch, blickt zurück auf die vergangenen Tage und spürt, dass diese Reise mehr war als ein klassischer Wintertrip. Am frühen Nachmittag geht es zurück ins Tal. Ein letzter Halt beim Verpflegungsstand des Vertical Race, dann die letzte Gondelfahrt nach Blatten. Das Gepäck wird abgeholt, der Bus bringt uns nach Brig. Nun heißt es Abschied nehmen vom Wallis.
Diese Reise war kein Sammeln von Highlights, sondern ein Eintauchen in eine Region, die ihre Geschichten bewahrt. Masken, Hexen, Holz und Käse sind hier keine Folklore für Gäste, sondern Teil des Alltags. Wer sich Zeit nimmt, zuhört und mitgeht, erlebt das Wallis von seiner ruhigen, kraftvollen Seite. Und genau darin liegt seine besondere Magie.
MK Schechler
Das Wallis zeigt sich im Winter von seiner vielfältigsten Seite. Neben perfekt präparierten Pisten für jedes Niveau lockt die Region mit Winterwanderwegen, Schneeschuhtouren, Langlauf und lebendigen Traditionen. Zwischen beeindruckenden Bergpanoramen, authentischer Kultur und geheimnisvollen Legenden erleben Besucher den Winter nicht nur sportlich, sondern auch ruhig, genussvoll und voller Atmosphäre.
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